Pressestimmen
„Wir leben im Elztal & Simonswäldertal“ – März 1999
„Omas alte Geschichten, die viele vielleicht noch aus ihren Kindertagen kennen, geraten heute leider allzu oft in Vergessenheit. Die mit dem Erzählen entstehende Stimmung, die innere Verbundenheit, die durch das Zuhören entsteht, ist heute im elektronischen Zeitalter leider etwas in Vergessenheit geraten. Um diese Tradition aber wieder zu beleben und die Verbindung zwischen der Schönheit unserer Landschaft und den alten Sagen zu schaffen, hat sich Rosemarie Riesterer aufgemacht zu „Wanderungen auf den Spuren der Elztäler Sagen und Geschichten“. Jede ihrer Touren, die sie vorher selbst erkundet hat, birgt ein kleines Geheimnis……
Ihre Art, mit den Menschen die nähere Umgebung zu erkunden, ist eine etwas andere Art zu wandern. Nicht der sportliche Aspekt bringt sie auf den Weg. Sie verbindet mit dem Anblick der Naturschönheiten ein Stück Geschichte und natürlich viele Geschichten und erzählt ihren Begleiterinnen und Begleitern viel über die sagenumwobenen Geheimnisse unserer Landschaft. Durch Rosemarie Riesterer werden die überlieferten Geschichten, von denen einige in Büchern vorliegen, aber doch im täglichen Leben wenig Einzug halten, aus dem Dunkel der Vergangenheit hervorgeholt und wieder belebt. …
Die Touren rund um Waldkirch laden ein zum Hören, Genießen und Spüren und folgen der Ausstrahlung des alten Geists der Wanderziele.
…. Was Wunder also, dass bei einer Wanderung im vergangenen Jahr eine 80jährige Frau sagte: „Einen halben Tag so wandern ersetzt mir zwei Tage Urlaub.“
„Wir leben im Elztal & Simonswäldertal“ – April 2000
„In Ruhe und mit Gelassenheit die nähere Umgebung zu erkunden, sich dabei mit Gleichgesinnten zu einer Pause zu versammeln, in der den Sagen und Erzählungen aus längst vergangenen Zeiten ein Ohr geschenkt wird, dies ist kein Märchen, sondern wird nun schon im dritten Jahr von Rosemarie Riesterer angeboten. Sie führt die Menschen mit ihren Wanderungen zu den schönen verborgenen Orten…..Sie vermag es, die Schönheiten der Natur mit den Geschichten in eine Einheit zu bringen.Sie strebt danach, das im Elztal verwurzelte Sagengut wieder lebendig zu machen…..
Der Wechsel zwischen Wandern und Ruhe, Bewegung und Verweilen, Sehen und Lauschen macht die Touren so einmalig.
Viele, die es erlebt haben, berichten von Erinnerungen, die geweckt wurden und die Kinder, für die die Touren auch geeignet sind, lauschen gespannt den Erzählungen.“
Badische Zeitung -16.9.05
„Das Leben und das Schicksal von Menschen erhält vor allem dann seine ureigene, unverwechselbare Form, wenn erzählte Geschichten ihm Farbe verleihen. Und lauschen wir nicht alle gern den Geschichen, die uns von Menschen aus früheren Zeiten berichten? Romantischen Geschichten, wie zum Beispiel jenen von Hirtenjungen in bukolischer Naturidylle? Wenn sie denn so romantisch waren. Wie sie wohl gelebt haben, die Hirtenjungen und Bergbauern damals?
Eine weiß es zu erzählen. Rosemarie Riesterer – selbst auf einem Bergbauernhof aufgewachsen – lässt nun ihre Zuhörer teilhaben an den Geschichten, denen sie als Kind an langen Winterabenden lauschte. Während ihrer „sagenhaften Wanderungen“ schöpft sie aus diesem reichen Fundus.
Mag die Tour auch den wildromantischenn Pfaden des alten Hirtenwegs folgen: Romantisch war das Leben der Hirtenjungen eher selten. „Erschreckende, manchmal erschütternde Geschichten haben sich da zugetragen“, sagt Rosemarie Riesterer. Und: „Bis in die 50er und 60er Jahre gab es noch Hirtenbuben“. Männer, die heute an die 90 sind und sich erinnern an damals, Erinnerungen, die Geschichtenerzählerin ebenso gerne zuhört, wie sie sie gerne weitergibt……………“
REGIO-MAGAZIN - Juni 08
"Rosemarie Riesterer erweckt vergessene Elztäler Geschichten zum Leben -
Von Teufeln, Hexen und Menschen -
Motto-Wanderungen sind der neue Trend:Ob schöngeistig auf den Spuren von Dichtern und Denkern oder kulinarisch auf Käse- und Weinrouten, ob mit geschichtlichen, geologischen oder naturkundlichen Schwerpunkten: Menschen lieben Wanderungen, die ein Thema haben.
Ein ganz mystisches Thema hat sich eine Gästeführerin im Naturpark Südschwarzwald ausgedacht: Rosemarie Riesterer bietet Wanderungen auf den Spuren der Sagen, Geschichten und Anekdoten des Elz-, Simonswälder- und Glottertales an.
Rosemarie Riesterer ist ein Elztäler Mädchen, und zwar durch und durch. Auf-
gewachsen auf dem 300 Jahre alten Ruth-Hof im Elztal spricht sie den behäbigen, anheimelnden Elztäler Dialekt. Ende der 50er-Jahre war sie das einzige Mädchen, das in Waldkirch noch in Tracht zur Schule kam, doch auf diese Sonderrolle hätte sie damals gerne verzichtet. Sie hasste es auch, die langen Haare auf Geheiß ihrer Eltern zu Zöpfen geflochten tragen zu müssen. An den Winterabenden aber saß die kleine Rosemarie gerne auf der Ofenbank in der rauchschwarzen Küche und lauschte den Worten ihrer Großmutter, die ihr und ihren drei Brüdern die alten Sagen und Geschichten des Elztals erzählte. Aus den Fensterchen des elter-
lichen Hofes hatte Rosemarie dabei einen freien Blick hinauf zum Kandel. So ist es kein Wunder, dass für das kleine Mädchen der Berg die direkte Verbindung zum Himmel darstellte: Vom Kandel herunter kam in ihrer Vorstellung das Christ-
kind, der Osterhase hoppelte ebenfalls von dort auf die elterlichen Wiesen zu, vom Kandel kamen aber auch schreckliche Gewitter, hinter denen sie ebenfalls himmlische Absicht vermutete. "Der Kandelwald war für mich immer ein sehr magisches Gebiet", sagt Rosemarie Riesterer heute, und ihr Blick streift wie vor Jahrzehnten die Kandelhänge hinauf.
Ihre kleine Welt war voller Geschichten, magische und gruselige, wahre und wer-
weiß-wie-wahre.
Irgenwann hielt auch in Heimeck die neue Zeit Einzug: für Rosemarie nahm sie Gestalt an in dem ersten Auto, das ihr Vater im Jahr 1963 kaufte. Da war sie
10 Jahre alt, und ihre Großmutter, die bis dato als Bewahrerin des Alten auf dem Hof fungiert hatte, war gerade gestorben. Im Alter von zwölf Jahren schnitt sich Rosemarie heimlich ihre ungeliebten Zöpfe ab. Wiederum ein paar Jahre später kehrte sie Heimeck den Rücken, und zog hinaus in die große, moderne Welt:
Sie wurde Auslandskorrespondentin und Übersetzerin in Industriebetrieben.
Doch irgendwann zog es sie zurück ins Elztal. Dort ging sie auf Spurensuche:
Sie erwanderte sich ihre Heimat und entdeckte ihre Wurzeln neu. Auf abgelege-
nen Höfen lernte sie hochbetagte Bauersfrauen kennen, die ihr noch etwas über die alten Sagen und Geschichten erzählen konnten. Die Elztälerin merkte, dass hier ein wertvoller Schatz ihrer Heimat verloren zu gehen drohte: Das Wissen um die alten Sagen, um die mythischen und die überlieferten Gestalten eines Land-
strichs, aber auch die Tradition, in der diese Geschichten über Generationen weitergegeben wurden: Das mündliche Erzählen.
Genau diese Tradition hat Rosemarie Riesterer wieder aufgenommen: Auf ihren "Sagenhaften Wanderungen" erzählt sie diese Geschichten allen, die sie hören wollen.Seit nunmehr zehn Jahren führt Rosemarie Riesterer von März bis Oktober monatlich eine ganztägige Wanderung. Im Gefolge hat sie auch Touristen, vor allem aber viele Wanderer aus der Regio. Jedes Jahr hat sie ein paar neue Routen im Programm, und jedes Mal verrät ein kleines Accessoire, worum sich die jeweilige Wanderung dreht. Heute baumelt eine kleine Kandelhexe am Wander-
stock von Rosemarie Riesterer. Sie begrüßt ihre Wandergruppe, und nach nur ein paar Schritten gibt's eine erste Geschichte. Über die Hexenverfolgung im Mittel-
alter. Über die haarsträubenden Geschichten, die aus den als Hexen angeklagten Frauen herausgefoltert wurden, und die später als Sagen und Mythen in den Volks(aber)glauben übergingen.
Wandern, anhalten, zuhören - so geht das unglaublich kurzweilige sieben Stun-
den lang, in denen nur rund zehn Kilometer erwandert werden, in denen sich den Wanderern aber eine ganze Welt erschließt: Die Welt des Elztals vor zehn, fünfzig, hundert und fünfhundert Jahren. Sagen wechseln sich ab mit Anekdoten aus Rosemarie Riesterers Vergangenheit. Natürlich führt die Tour auch über den elterlichen Hof, von dem die Wanderer inzwischen soviel gehört haben, dass sie neugierig sind. Über das Hofkreuz weiß die ausgebildete Gästeführerin ebenso zu berichten, wie über die "B'schau", jenen bäuerlichen Brauch der Brautschau, der bis in die 20er-Jahre im Elztal nach einem festen Ritual gepflegt wurde:
"Zuerst wurde geschaut: Wie sieht der Misthaufen aus? Ist er groß und gepflegt?" Rosemarie Riesterer plaudert und lässt vor dem inneren Auge ihrer Zuhörer die alte Zeit wieder lebendig werden. Das Wandergrüppchen steht vor ihrem elterli-
chen Hof, dem Ruthhof, und jeder hat das Gefühl, die Zeit rückwärts ticken zu hören. Zwar hat der Hof rein äußerlich heute nicht mehr viel mit dem Ruthhof gemein, den die kleine Rosemarie kannte: Umgebaut und modernisiert wird er jetzt von Rosemaries Bruder und seiner Frau geführt. Der Bruder heißt Sepp, also eigentlich Josef. Natürlich. Denn der Hof wurde in seiner jahrhundertealten Ge-
schichte immer von einem Sepp geführt. Bis auf eine Ausnahme, da musste mal ein Xaver den Hof übernehmen. Dabei hatte der eigentlich Pfarrer werden wollen...Und schon sind wir wieder mittendrin im vermeintlich längst vergange-
nen bäuerlichen Leben im Elztal."
Badische Zeitung - 14. Mai 2011
(von Karin Heiss)
"Eine Quelle gegen die größte Not
Eine "sagenhafte Wanderung" mit Rosemarie Riesterer führte zur Neungeschwisterkapelle bei Siensbach
Waldkirch. Die sagenhaften Wanderungen mit Rosemarie Riesterer sind in unserer Region bekannt und beliebt. Der Gästeführerin im Naturpark Südschwarzwald gelingt es immer wieder durch ihre interessanten Erzählungen, in denen Legenden mit belegbarer Historie verbunden sind, Einblicke in die Entwicklung der Bevölkerung, Landschaft, Kultur und Wirtschaft des jeweiligen erwanderten Gebietes zu vermitteln.
So machte sich unlängst eine Gruppe von rund 25 Teilnehmern mit Rosemarie Riesterer zur Erkundungstour auf. Vom Altersbachtal aus führte die erste Etappe nach Heimeck. Geschichten rund um die Kandelhexen und den "Berg der Kräfte" begleiteten die Wanderer. Angekommen auf dem Ruth-Hof in Heimeck, der Heimat der Gästeführerin, die heute in Denzlingen wohnt, gab es eine Mittagsrast. Dann ging es weiter talwärts zu einem besonderen Ort der Stille und
Besinnung: Die "Neungeschwisterkapelle" liegt in einem romantischen Dobel kurz vor Siensbach.
Der Ursprung dieses Kleinods liegt laut Rosemarie Riesterer im Dunkeln. Fest stünde, "daß sich hier in heidnischen Zeiten eine Kultstelle befunden hat." Erwähnt werde dieser Ort dann erstmals 1420 in einer alten Kirchenschrift. Dort hieße es: "Im Weiler Siensbach ist ein Quellheiligtum". Das verweise darauf, daß hier, bevor das heutige Kapellchen 1750 über der Quelle erbaut wurde, schon eine Gedenkstätte war, "wahrscheinlich aus Holz und Lehm, die dann abgerissen wurde". Da "Götter in heiligen Hainen" bereits seit dem 6. Jahrhundert bekannt seien, ist sich die Erzählerin sicher, daß der Ursprung viel weiter zurückreichen muß, als sich belegen läßt".
Im Inneren der früher populären Wallfahrskapelle befindet sich die "Ursache" für jegliche kultische, magische und religiöse Besonderheit, die diesem Platz im Laufe der Geschichte in unterschiedlicher Gestalt und Ausprägung immer wieder beigemessen wurde - die Quelle. Im Boden links neben dem barocken Altar entspringt sie. "Das könnte ein Kindlesbrunnen sein" meinte Riesterer. Noch heute kämen Menschen, die sich Nachwuchs wünschen, dorthin, um dafür zu beten.
Die Kapelle ist der Heiligen Notburga geweiht, die laut Riesterer im 9. Jahrhundert gelebt hat und in "Kindsnöten" angerufen werde. "Sie soll die Frau eines schottischen Königs gewesen sein, der früh verstarb und sie in Hoffnung zurückließ." In diesem Elend sei sie vom Hof verjagt worden und gelangte auf ihrer Flucht nach Bühl im Klettgau. Doch auch aus der Region am Bodensee habe Notburga hochschwanger fliehen müssen. Nach Angaben der Gästeführerin gelangte die Heilige mit ihrer Magd in einen Eichwald nach Siensbach und gebar 9 Kinder, von denen eins tot zur Welt kam. In einem nahegelegenen Hof habe sie um Unterkunft gebeten, doch die wurde ihr versagt. "Bis zum heutigen Tag lastet Unglück auf diesem Hof, der schon mehrmals abgebrannt ist", berichtete Rosemarie Riesterer und bezieht sich damit auf offizielle Quellen. Notburga habe ihre Magd dann aufgefordert, "mit dem Stock auf einen Fels zu schlagen". Da sei Wasser herausgeflossen, mit dem sie ihre Kinder ernährte. Die Erzählerin verwies auf die bekannten Quellheiligtümer in Lourdes und St. Ottilien und betonte, daß es neben der Hoffnung auf Heilung von Krankheiten oder wie hier der Erfüllung eines Kinderwunschs auch darum gehe, "daß man Erkenntnis gewinnt, wenn man sich die Augen mit dem Wasser auswäscht".
Dann wendete sich Rosemarie Riesterer dem barocken dreiteiligen Altar zu, der im 17. Jahrhundert entstanden sein soll. Auf den Bildern sind die Heiligen Symphorosa und Felicitas sowie die makkabäische Mutter dargestellt. Jede mit ihren sieben Söhnen. Nach Riesterer ist das nicht die einzige Gemeinsamkeit. "Sie sind alle gefoltert und getötet worden." Diese drei Frauen, ebenso wie Notburga, von der ein Bild neben dem Altar hängt, stünden für Fruchtbarkeit und die Quelle verdeutliche, "daß ohne Wasser kein Leben ist". Die Geschichtskundige ist sich sicher, "daß die Frauen an die Stelle der alten Quellgötter getreten sind."
Noch in den 1980er Jahren hätten regelmäßig Wallfahrten zu diesem Ort stattgefunden. Nun finden dort keine Gottesdienste mehr statt, aber jeden Sonntag um 15 Uhr Rosenkranzgebete. Als besonderer Ort der Besinnung steht die Tür der Kapelle aber für jeden immerzu offen. Versorgt wurde das Heiligtum lange Zeit von den Frauen vom Ruth-Hof. "Dann hat es meine Tante Rosa, eine Altledige, ein paar Jahre gemacht", so Riesterer. Seitdem werde die Kapelle vom Kienzlehof versorgt.
Die Wandergruppe setzte ihren Weg dann wieder bergwärts am Campingplatz "Elztalblick" vorbei fort, Richtung Heimecker Weg. Am Waldesrand angekommen lauschten sie der Geschichte von der Firma Gütermann in Gutach und danach ging es zurück zum Altersbach, wo im gleichnamigen Gasthaus noch eingekehrt wurde.